„Plastikpiraten“: OHG-Schüler untersuchen Volkspark und Haller auf Müll
Zigarettenstummel, Überreste einer E-Zigarette oder Verpackungsmüll: Bei näherem Hinsehen lässt sich unter der dichten Laubdecke im Springer Volkspark und an der Haller so einiges an Abfall finden. Die Umwelt-AG des Otto-Hahn-Gymnasiums hat den Müll gesammelt und dokumentiert – und ist Teil eines europaweiten Projektes, für das sie sogar einen Preis gewonnen hat.
Zählt Alufolie zu Plastik oder Metall? Woraus bestehen Kronkorken? Und auf welchen Haufen kommen Zigarettenpackungen mit Plastikummantelung? Diese Fragen stellen sich die Schülerinnen und Schüler der Klima- und Umwelt-AG des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) in Springe bei ihrem Projekt im Volkspark. Auf einer großen Plane schichten sie mehrere Haufen auf, sortieren den in Eimern gesammelten Müll aus dem Park. Hier liegen Zigarettenstummel, Teile einer E-Zigarette, Plastikfolie, die Stützen eines Einweg-Grills, Süßigkeiten-Verpackungen, benutzte Taschentücher und noch viel mehr Abfall.

Ein EU-Projekt zum Umweltschutz
Die Müll-Aktion setzen die Schülerinnen und Schüler aus der fünften und sechsten Klasse aber nicht nur zum Zweck der Stadtreinigung um. AG-Leiter Christian Lange verbindet in diesem Projekt Lehrreiches mit Umweltschutz. „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Umweltbildung“, betont der Erdkundelehrer. Auch erste Ansätze des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt er den AG-Teilnehmenden so.
Damit ist das OHG nicht zum ersten Mal Teil der EU-Initiative „Plastikpiraten“. Ziel der aktuell 13 Mitgliedsländer ist es, Müll in Gewässernähe zu sammeln und Daten zum Müllvorkommen zu dokumentieren. So tragen die jungen Forscherinnen und Forscher dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung von Gewässern zu schärfen und auf den Umweltschutz aufmerksam zu machen. „Das fängt bereits bei kleinen Flusssystemen an“, weiß Lange. Denn auch dort habe eine verschmutzte Umwelt weitreichende Konsequenzen für Ökosystem und Lebewesen.
Genau hinsehen
Die AG-Teilnehmenden treffen sich im Volkspark an der Hallerbrücke. In mehreren Gruppen erfassen und analysieren sie den Müll, der auf den Wiesen und rund um die Haller verstreut liegt. Eine Gruppe fotografiert mit dem Smartphone mögliche Müllquellen, etwa volle Mülleimer oder Bankbereiche. Ein weiteres Team sucht in ausgewählten Bereichen im Park und in Flussnähe nach Abfall.
Ehemalige Umwelt-AG-Mitglieder helfen dem Nachwuchs bei der Dokumentation. Dabei fällt auf: Den Großteil des gefundenen Abfalls sieht man auf den ersten Blick gar nicht. Vieles ist unter Laubschichten begraben oder verbirgt sich halb unter der Erde versteckt. Ein besonderer Fund: Eine erschlaffte Stoff-Ente, der die Füllung fehlt. Die hat, so die Theorien, entweder ein Hund zerfetzt oder ein Baby aus dem Kinderwagen verloren – oder sogar beides.
Eine andere Gruppe ist mit der Aufgabe betraut, zu messen, mit welcher Geschwindigkeit die Haller fließt. Dazu beobachtet sie, wie schnell ein Stöckchen von einer Markierung zur nächsten treibt. Das ist am heutigen Tag gar nicht so leicht, denn der Fluss ist nach einem kurzen Stück auf beiden Seiten durch Äste gestaut – auch ein Überflutungs-Risiko – verweist Lange.

Lernen am greifbaren Beispiel
Im Voraus an die Aktion hat Lange mit seinen Schülerinnen und Schülern durchgenommen, wie lange bestimmte Stoffe brauchen, um sich zu zersetzen. Dass Plastik nur in seine Einzelteile zerfällt, statt sich abzubauen, können die AG-Mitglieder bei der Live-Studie gut beobachten. Dazu reicht ein Blick in die gut gefüllten Eimer. Ein Netz, das eine Stunde lang im Fluss hängt, verdeutlicht zusätzlich, wie viele kleine Plastikteile ins Ökosystem gelangen.
Wichtig ist dem Lehrer, den Kindern und Jugendlichen nicht nur die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf die Umwelt zu verdeutlichen, sondern auch, mögliche Lösungen zu vermitteln. Dabei geht es in AG und Unterricht etwa um nachhaltige Materialien, mögliche Ersatzstoffe zu Plastik und das Wiederverwerten von Produkten im Kreislauf.
Und der Einsatz von Lange und seinen AG-Teilnehmenden für den Umweltschutz hat sich ausgezahlt. Vor einigen Monaten haben sie für ihre Bemühungen die Auszeichnung zur „European Blue School“ erhalten – und sind damit eine von neun Schulen in Deutschland und 504 in den EU-Teilnehmerstaaten. Damit würdigt die EU-Kommission Schulen, die Projekte auf die Beine stellen, um die Bedeutung von Gewässern und den Ozeanen in den Unterricht zu integrieren.
NDZ vom 13.11.2025 (Fiona Lechner)

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